Das Münchener Eingewöhnungsmodell wurde in den 1990er-Jahren unter anderem von Winfried Beller und Angelika Beller entwickelt. Es versteht Eingewöhnung als aktiven Prozess des Kindes. Im Mittelpunkt steht die Annahme, dass Kinder sich neue Lebensräume eigenständig erschließen – vorausgesetzt, sie werden dabei von einer vertrauten Bezugsperson begleitet und von feinfühligen Fachkräften unterstützt. Im Unterschied zum klar phasierten Berliner Modell gibt es hier keinen festgelegten Trennungstag. Der Übergang in den Kita-Alltag erfolgt fließend und orientiert sich konsequent am Verhalten des Kindes.
1. Kennenlern- und Erkundungsphase
- Beginn häufig bereits mehrere Wochen vor dem offiziellen Kitastart (z. B. im Frühjahr)
- Eine vertraute Bezugsperson begleitet das Kind in die Einrichtung
- Das Kind darf alle Räume erkunden und aktiv am Alltag teilnehmen (z. B. Morgenkreis, Freispiel, gemeinsames Frühstück)
- Die Fachkräfte beobachten zunächst aufmerksam und nehmen eine unterstützende, zurückhaltende Rolle ein
- Bestehende Kinder werden bewusst in die Kontaktaufnahme einbezogen
Ziel dieser Phase ist es, dass das Kind die Kita als sicheren, interessanten Ort erlebt – ohne unmittelbaren Trennungsdruck.
2. Beziehungsaufbau im Alltag
- Die pädagogische Fachkraft nimmt zunehmend Kontakt auf, sobald das Kind dies zulässt
- Alltägliche Situationen (z. B. Anziehen, Pflegesituationen, Begleitung im Spiel) werden behutsam übernommen
- Eltern bleiben präsent, ziehen sich jedoch schrittweise in den Hintergrund zurück, wenn das Kind beginnt, sich eigenständig zu lösen
Die Dauer und Häufigkeit der Besuche werden individuell vereinbart. Es gibt keine starre zeitliche Vorgabe – maßgeblich ist das Sicherheitsgefühl des Kindes.
3. Erste Trennungen
- Trennungen entstehen situativ, wenn das Kind Vertrauen aufgebaut hat
- Die Bezugsperson verabschiedet sich bewusst und bleibt erreichbar
- Die Trennungsdauer wird schrittweise erweitert
Manche Kinder sind nach wenigen Besuchen bereit für kurze Trennungen, andere benötigen mehrere Wochen. Das Tempo bestimmt stets das Kind.
4. Übergang in den regulären Kita-Alltag
- Das Kind kennt Räume, Rituale und Bezugspersonen
- Die Fachkraft wird als sichere Basis akzeptiert
- Die Eltern halten sich nicht mehr dauerhaft in der Einrichtung auf
Gesamtdauer: individuell unterschiedlich – von etwa zwei bis drei Wochen bis hin zu einem längeren Zeitraum, abhängig von Alter, Vorerfahrung und Bindungsverhalten.