Kita Anmeldung & Eingewöhnung

Der Start in einen neuen Lebensabschnitt

Wenn die Zusage den Alltag verändert

Die Monate Februar und März markieren für viele Familien einen entscheidenden Wendepunkt im Jahreskalender. Mit der Zusage für einen Kitaplatz ab August rückt der neue Lebensabschnitt für Ihr Kind in greifbare Nähe. Während die organisatorische Erleichterung oft groß ist, entstehen gleichzeitig viele praktische Fragen zum Übergang: 

  • Wie wird mein Kind die Trennung meistern? 
  • Wie werden wir als Eltern mit der neuen Situation umgehen?
  • Was erwartet uns in den ersten Wochen? 

Bei den Katholischen Kitas Ruhr begleiten wir Sie und Ihr Kind mit fachlich fundierten Konzepten und viel Empathie durch diesen Prozess. Eine behutsame Eingewöhnung ist bei uns kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis pädagogischer Expertise und einer engen Erziehungspartnerschaft zwischen Eltern und Fachkräften.

Wie funktioniert die Eingewöhnung bei den Katholischen Kitas Ruhr?


Die Eingewöhnung gestalten wir überwiegend nach dem Berliner oder Münchener Modell. Dabei orientieren wir uns an unserem trägerspezifischen Konzept, das Kindern Zeit, Sicherheit und Vertrauen schenkt, damit sie sich von Anfang an bei uns wohl und geborgen fühlen.

Im Mittelpunkt steht dabei stets der Aufbau einer stabilen Bindungsbeziehung zur pädagogischen Fachkraft. Erst wenn diese tragfähige Basis gewachsen ist, folgen weitere Schritte wie das Vertrautwerden mit den neuen Räumen und der behutsame Kontakt zu anderen Kindern.

Die Rolle der Eltern ist in beiden Modellen ähnlich: Sie geben Sicherheit, bleiben verlässlich und ermöglichen ihrem Kind, neue Beziehungen aufzubauen. Die Rolle der Fachkraft ist ebenfalls vergleichbar: feinfühlig beobachten, Signale deuten, behutsam Kontakt aufnehmen und Schritt für Schritt zur neuen Bindungsperson werden.

Da wir über 150 Kitas führen, kann es je nach Standort Unterschiede in der konkreten Umsetzung geben. Welche Form der Eingewöhnung in Ihrer Einrichtung angewendet wird, erläutert Ihnen die jeweilige Kita Leitung gerne im persönlichen Austausch.

 

Zur Übersicht finden Sie hier einen Vergleich der beiden Modelle:

Das Berliner Modell – Strukturierter Bindungsaufbau in Phasen

Das Berliner Eingewöhnungsmodell geht auf ein Forschungsprojekt der Freie Universität Berlin zurück und wurde von Hans-Joachim Laewen, Beate Andres und Éva Hédervári-Heller entwickelt.
 

Es ist klar in Phasen gegliedert und bietet zeitliche Orientierung:
 

1. Grundphase (mindestens 3 Tage)

  • Dauer: etwa 1 Stunde täglich
  • Keine Trennung
  • Eltern verhalten sich passiv („sicherer Hafen“ - präsent, aber nicht gestaltend)
  • Fachkraft nimmt vorsichtig Kontakt über Spielangebote auf
     

2. Erster Trennungsversuch (frühestens am 4. Tag)

  • Kurze, bewusste Verabschiedung (ca. 5–10 Minuten)
  • Reaktion des Kindes entscheidet über den weiteren Verlauf
  • Lässt sich das Kind beruhigen → Eingewöhnung wird fortgesetzt
  • Lässt es sich nicht beruhigen → Abbruch des Versuchs und neuer Anlauf
     

3. Stabilisierungsphase (ca. Tag 5–10)

  • Schrittweise Verlängerung der Trennungszeiten
  • Fachkraft übernimmt zunehmend Pflege- und Alltagssituationen
  • Eltern bleiben erreichbar
     

4. Schlussphase

  • Eltern halten sich nicht mehr in der Einrichtung auf
  • Sind jedoch jederzeit telefonisch erreichbar
  • Das Kind akzeptiert die Fachkraft als sichere Bezugsperson
     

Gesamtdauer: meist 2–3 Wochen, bei sehr jungen oder sensiblen Kindern auch länger. Das Berliner Modell bietet besonders viel Struktur und Orientierung – sowohl für Eltern als auch für Fachkräfte.
 

Das Münchener Modell – Selbstbestimmter Beziehungsaufbau im eigenen Tempo

Das Münchener Eingewöhnungsmodell wurde in den 1990er-Jahren unter anderem von Winfried Beller und Angelika Beller entwickelt. Es versteht Eingewöhnung als aktiven Prozess des Kindes. Im Mittelpunkt steht die Annahme, dass Kinder sich neue Lebensräume eigenständig erschließen – vorausgesetzt, sie werden dabei von einer vertrauten Bezugsperson begleitet und von feinfühligen Fachkräften unterstützt. Im Unterschied zum klar phasierten Berliner Modell gibt es hier keinen festgelegten Trennungstag. Der Übergang in den Kita-Alltag erfolgt fließend und orientiert sich konsequent am Verhalten des Kindes.

1. Kennenlern- und Erkundungsphase

  • Beginn häufig bereits mehrere Wochen vor dem offiziellen Kitastart (z. B. im Frühjahr)
  • Eine vertraute Bezugsperson begleitet das Kind in die Einrichtung
  • Das Kind darf alle Räume erkunden und aktiv am Alltag teilnehmen (z. B. Morgenkreis, Freispiel, gemeinsames Frühstück)
  • Die Fachkräfte beobachten zunächst aufmerksam und nehmen eine unterstützende, zurückhaltende Rolle ein
  • Bestehende Kinder werden bewusst in die Kontaktaufnahme einbezogen
     

Ziel dieser Phase ist es, dass das Kind die Kita als sicheren, interessanten Ort erlebt – ohne unmittelbaren Trennungsdruck.

 2. Beziehungsaufbau im Alltag

  • Die pädagogische Fachkraft nimmt zunehmend Kontakt auf, sobald das Kind dies zulässt
  • Alltägliche Situationen (z. B. Anziehen, Pflegesituationen, Begleitung im Spiel) werden behutsam übernommen
  • Eltern bleiben präsent, ziehen sich jedoch schrittweise in den Hintergrund zurück, wenn das Kind beginnt, sich eigenständig zu lösen
     

Die Dauer und Häufigkeit der Besuche werden individuell vereinbart. Es gibt keine starre zeitliche Vorgabe – maßgeblich ist das Sicherheitsgefühl des Kindes.

3. Erste Trennungen

  • Trennungen entstehen situativ, wenn das Kind Vertrauen aufgebaut hat
  • Die Bezugsperson verabschiedet sich bewusst und bleibt erreichbar
  • Die Trennungsdauer wird schrittweise erweitert
     

Manche Kinder sind nach wenigen Besuchen bereit für kurze Trennungen, andere benötigen mehrere Wochen. Das Tempo bestimmt stets das Kind.

 4. Übergang in den regulären Kita-Alltag

  • Das Kind kennt Räume, Rituale und Bezugspersonen
  • Die Fachkraft wird als sichere Basis akzeptiert
  • Die Eltern halten sich nicht mehr dauerhaft in der Einrichtung auf
     

Gesamtdauer: individuell unterschiedlich – von etwa zwei bis drei Wochen bis hin zu einem längeren Zeitraum, abhängig von Alter, Vorerfahrung und Bindungsverhalten.

Tipps für Eltern: So unterstützen Sie den Übergang

Sie als Eltern spielen eine entscheidende Rolle für das Gelingen der Eingewöhnung. Hier sind praktische Empfehlungen:

  • Positive Einstellung: Erzählen Sie Ihrem Kind bereits zu Hause positiv von der Kita und den Erwartungen. Ihre eigene Überzeugung gibt dem Kind Sicherheit.
  • Ehrlichkeit beim Abschied: Gehen Sie niemals heimlich. Ein bewusster Abschied ist für das Vertrauen des Kindes essenziell, auch wenn dabei Tränen fließen.
  • Das "Kuss und Schluss"-Prinzip: Verabschieden Sie sich herzlich und klar, aber kurz. Lange Abschiedsszenen übertragen oft die Unsicherheit der Eltern auf das Kind.
  • Übergangsobjekte: Ein vertrautes Kuscheltier oder ein Schnuffeltuch können als Selbstregulationshilfe sehr wertvoll sein.
  • Kein Zeitdruck: Planen Sie den Kitastart idealerweise nicht zeitgleich mit Ihrem beruflichen Wiedereinstieg, um Stress zu vermeiden.

Hintergrund: Warum die Wissenschaft zur Eingewöhnung rät

Die Notwendigkeit einer fachlich begleiteten Startphase ist keine bloße Empfehlung, sondern wissenschaftlich belegt. Die Daten zeigen deutlich, welche Risiken eine unbegleitete Aufnahme birgt:

  • Gesundheit: Kinder ohne sanfte Eingewöhnung fehlten in den ersten sieben Monaten im Schnitt mehr als dreimal so lange aufgrund von Erkrankungen.
  • Entwicklung: Nach sieben Monaten zeigten unbegleitete Kinder oft deutliche Entwicklungsrückstände im Vergleich zu begleiteten Kindern.
  • Bindung: Eine abrupte Trennung führt zu massiven Verunsicherungen in der Beziehung zwischen Kind und Eltern.

Quelle: Laewen, H.-J.; Andres, B. & Hédervári-Heller, É. (2011): Die ersten Tage. Ein Modell zur Eingewöhnung in Krippe und Tagespflege. Berlin: Cornelsen. (Basierend auf dem Forschungsprojekt der Freien Universität Berlin 1984/1985).

Für Bewerbende: Warum die Rolle der Bezugserzieher:in so besonders ist

Die Arbeit in unseren Kitas erfordert hohe Professionalität und emotionale Intelligenz. Als Bezugserzieher:in sind Sie der Ankerpunkt für ein neues Kind und dessen Familie.

Was macht die Rolle bei uns aus?

  • Beziehungsarbeit: Sie nehmen das Kind feinfühlig wahr, deuten seine Signale und bieten Sicherheit.
  • Elternberatung: Sie führen Anamnesegespräche, nutzen Fragebögen zu Vorlieben des Kindes und begleiten Eltern durch ihre eigenen Trennungsängste.
  • Qualifizierung: Wir unterstützen unsere Teams durch Fortbildungen, beispielsweise zur U3-Fachkraft, um auf die besonderen Bedürfnisse junger Kinder zwischen 7 und 24 Monaten vorbereitet zu sein.

Häufig gestellte Fragen

  • Wie lange dauert die Eingewöhnung insgesamt?

    Je nach Modell und Kind unterschiedlich:

    • Berliner Modell: meist 2–3 Wochen. Dabei startet das Kind zunächst nur kurz in der Kita, und die Zeit wird schrittweise verlängert, bis es sich sicher fühlt. 
    • Münchener Modell: Hier sind die Eingewöhnungstage flexibler verteilt, oft über mehrere Wochen, und das Kind kann die Betreuung in individuell abgestimmten Schritten kennenlernen. 


    Individuell kann es kürzer oder länger dauern. Wichtig: Das Tempo bestimmt Ihr Kind.

  • Wann muss ich mein Kind in der Kita anmelden?

    Sie können Ihr Kind bei uns ganzjährig anmelden. Der Februar und März ist lediglich der Zeitraum, in dem die Koordination der Plätze für das kommende Kitajahr ab August finalisiert wird, damit sowohl Familien als auch unsere Einrichtungen Planungssicherheit haben.

  • Was passiert, wenn mein Kind beim Abschied weint?

    Trennungsstress ist eine normale Reaktion. Unsere Fachkräfte sind darin geschult, Ihr Kind feinfühlig zu trösten. Sollte sich ein Kind gar nicht beruhigen lassen, informieren wir Sie umgehend.

  • Dürfen Eltern während der Grundphase mit den anderen Kindern spielen?

    Nein, Sie sollten sich passiv verhalten und keine Spielangebote machen. Ihr Kind soll lernen, sich der Fachkraft als neuer Spielpartnerin zuzuwenden.

Möchten Sie mehr über unsere pädagogische Arbeit erfahren oder suchen Sie eine neue berufliche Herausforderung?


Für Eltern: Entdecken Sie unsere Einrichtungen und finden Sie die passende Kita für Ihr Kind in Ihrer Nähe: Unsere Kitas.

Für Bewerbende: Werden Sie Teil eines Teams, das Bindung und Professionalität großschreibt. Entdecken Sie Ihre Möglichkeiten auf unserer Karriereseite.

Wir freuen uns darauf, Sie und Ihr Kind – oder Sie als neue Kolleg:in – auf diesem spannenden Weg zu begleiten!

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Echte Einblicke statt Vorurteile: Warum wir auf TikTok Gesicht zeigen Vielleicht haben Sie ein bestimmtes Bild im Kopf, wenn Sie an einen katholischen Träger denken. Möglicherweise verbinden Sie damit Tradition und feste Werte. Das gehört definitiv zu uns. Doch der Alltag in unseren Einrichtungen ist oft überraschend anders. Er ist laut, bunt, lebendig und digital. Auf Instagram geben wir schon lange Einblicke in unsere Arbeit. Jetzt gehen wir einen Schritt weiter: Wir kommen dorthin, wo Sie Ihre Zeit verbringen. Wir sind jetzt auf TikTok. Das tun wir nicht, weil es gerade jeder macht. Wir haben eine klare Mission. Wir wollen den echten Kita-Alltag zeigen – mit allen Ecken, Kanten und Lachmomenten.